Wettbewerb für globale Nachhaltigkeit an baden-württembergischen Hochschulen

Fremdsein 4.0 - Multimediale Aufarbeitung der Differenzerfahrungen in der Bildungsmigration an der Hochschule Karlsruhe

Ansprechperson: Frau Prof. Dr. Gertrud Schaab, Gertrud.Schaab@hs-karlsruhe.de

Was bedeutet Heimat? Was bedeutet Fremde? Wie verändert mich die Erfahrung des Fremdseins? Diesen zentralen Fragen widmeten sich im Sommersemester 2018 zwölf internationale Studierende und sechs Mitglieder der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA) in dem interdisziplinären Projekt „Fremdsein 4.0“ an der Fakultät für Informationsmanagement und Medien (IMM).

An der Hochschule Karlsruhe begegnet man zunehmend Studierenden aus Ländern des globalen Südens, wie zum Beispiel Nigeria, Bangladesch oder dem Irak. Gleichzeitig wagen sich deutsche Studierende für ihr Auslandssemester nach Afrika und in den Nahen bzw. fernen Osten. Beide Gruppen werden dabei mit den Themen Fremdsein, Diskriminierung und Bildungsgerechtigkeit konfrontiert. Diese Erfahrungen wurden in dem Projekt „Fremdsein 4.0“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gertrud Schaab und Prof. Dr. Michael Tewes multimedial aufgearbeitet.

Zum Auftakt der beiden zweitägigen Workshops hatten die Studierenden aus Bangladesch, Deutschland, Iran, Kenia, Uganda, Südafrika, Sudan und Turkmenistan die Möglichkeit, sich mit der Vizekonsulin der Republik Südafrika Frau Lehlogonolo Sibisi persönlich auszutauschen. Neben dem Phänomen der „weißen Sprachdominanz“ und fehlender Gegenseitigkeit beim Gebrauch einer Lingua franca wie Englisch war auch der Gegensatz zwischen „warmen“ und „kalten“ Kulturen Thema der Diskussion. Im Anschluss definierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was Heimat und Fremdsein für sie ausmachen. Die unterschiedliche Wahrnehmung spiegelt sich oft in ganz alltagskulturellen Dingen wie Essen, Wetter oder dem Lärmpegel in öffentlichen Verkehrsmitteln wider. Besonders oft wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Sprache als ein Faktor benannt, der das Gefühl von Heimat oder Fremdsein maßgeblich beeinflusst.

Im weiteren Projektverlauf widmeten sich die Studierenden mit Unterstützung durch Mitarbeitende und Professorinnen und Professoren der Fachbereiche Geomatik, KulturMediaTechnologie und Kommunikation und Medienmanagement verschiedenen medialen Projekten rund um das Thema Fremdsein. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen „Text“, „Foto & Film“ und „Karten-Apps“ wurden im Oktober 2018 in den Räumlichkeiten der Hochschule Karlsruhe in einer multimedialen und interaktiven Ausstellung präsentiert.

Porträts und Videoaufnahmen zeigten die vielfältigen Muttersprachen und Karlsruher Lieblingsorte der Projektteilnehmer sowie die erlebten Kontraste zwischen Heimat und Fremde. In zwei interaktiven Applikationen konnten die Ausstellungsbesucher eine personalisierte Weltkarte erstellen oder selbst testen, welche Länder ihnen kulturell nah oder fern sind. Begleitende Texte gaben Einblick in die Erlebnisse und Wahrnehmungen zu Heimat und Fremde.

Das Projekt ermöglichte eine persönliche Perspektive auf die gegenseitige Wahrnehmung des „Fremden“. In einer Zeit der verstärkten Migration von Süd nach Nord schaffen die Beiträge ein Bewusstsein für den Umgang mit diesen „Fremden“ und zeigen einen Weg auf, wie Mitglieder der Hochschule die Studierenden in ihrer Lebenswelt abholen können, um ihnen den Einstieg in Deutschland zu erleichtern. Ergänzt um die Perspektive der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist das Thema lokal verankert und regt zur Selbstreflexion im alltäglichen Umgang an der Hochschule an. Durch die Aufarbeitung und Präsentation in einer Ausstellung können die Ergebnisse über den Kreis der Projektteilnehmenden hinaus geteilt werden. Die Ausstellung ist jetzt auch virtuell zugänglich (zur Ausstellung).
(Text: Maren Ingrid Kropfeld)